Vorhang auf...
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Poppea

Ensemble für Alte & Neue Musik
Così Facciamo

KRITIKEN

L'INCORONAZIONE DI POPPEA
Claudio Monteverdi

Nero, egomanischer Kaiser von Rom, liebt die Kurtisane Poppea. Zum Beweis seiner Liebe will er sie an Stelle seiner Gattin Ottavia zur Kaiserin krönen. Seneca, kaiserlicher Erzieher, Berater und hauptberuflich Philosoph, warnt Nero vor solchem unmoralischen Tun und bezahlt diesen Widerstand mit dem Leben: in seinem Eigensinn legt Nero ihm den Selbstmord nahe; ein Vorschlag, dem sich Seneca nicht entziehen kann. Neben Ottavia sinnt auch Ottone, Geliebter der Poppea und Neros nunmehr gehörnter Feldherrr, auf Rache und schmiedet mit Hilfe der jungen Drusilla ein Mordkomplott gegen Poppea. Drusilla wiederum ist unsterblich in Ottone verliebt und sagt ihre Hilfe zu. Gott Amor erfährt von dem Komplott und sorgt dafür, dass die im Garten friedlich schlafende Poppea erwacht, bevor der in Drusillas Kleidern verkleidete Ottone zustechen kann. Nero bekommt Wind von der Sache und hat nach einem Wutanfall endlich einen triftigen Grund, seine Gattin Ottavia des Landes zu verweisen und auch Ottone loszuwerden. Während rundherum Wehklagen anhebt und die Kontrahenten sich im eigenen Blut wälzen, feiern Nero und Poppea auf dem Liebeslager ihr Bündnis aus Liebe und Machtbesessenheit; Poppeas Krönung zur Kaiserin steht nichts mehr im Wege.
 

Dies ist in groben Zügen die äußere Handlung der barocken Oper "L'Incoronazione di Poppea" (Die Krönung der Poppea) von Claudio Monteverdi (und anderen) aus dem Jahre 1643. Ein Stoff, den das Leben schrieb - denn das Libretto fußt auf einem mehr oder weniger ernst zu nehmenden Tatsachenbericht in den Annalen des Tacitus - und der so richtig zur Oper taugt.
 

Im Gegensatz zu mach' anderem Komponisten barocker Musiktheater bediente sich Monteverdi aber nicht der vor allem später üblichen Mittel der Arien und Koloraturläufe, der pompösen Auftritte und großen Gesten, sondern schrieb ein eher intimes Stück Theater mit gesungenen Dialogen. Noch dazu besteht das heute überlieferte Material dieses Werkes aus einem Sammelsurium von Streichungen, Hinzufügungen, Einschüben und Anmerkungen einer ganzen Reihe von Komponisten und Kopisten, denn Monteverdi und mit ihm vermutlich noch andere hatten bewusst nur die Gesangsstimmen und einen einfachen begleitenden Bass festgelegt. Die übrige Orchestrierung bleibt den finanziellen und personellen Möglichkeiten und den künstlerischen Anforderungen des jeweiligen Bearbeiters überlassen.
 

Diese hochdramatische Qualität einerseits und die offene Überlieferung andererseits sahen wir als Herausforderung, uns eine eigene Inszenierung der Poppea zu erarbeiten. Die künstlerische Herkunft der Ensemblemitglieder aus dem Bereich der Alten Musik und auch des Sprechtheaters erscheint uns als Idealbesetzung zur Realisation dieses starken Stücks. Unter der musikalischen Leitung von Hans Huyssen und der Regie von Rudolf Danker erarbeiteten wir im Frühjahr 1999 unsere Version der Poppea, stellten das Ergebnis anlässlich der Deutschen Theatermesse Ende April 1999 in Dresden vor und brachten unsere "Poppea 2000" am 24. April 1999 um 20.00 Uhr im Rahmen der Dresdner Theaternacht mit sehr gutem Erfolg in der Semperoper Dresden, Kleine Szene zur Premiere (siehe Kritiken).


Sieben junge Sängerinnen und Sänger und ebenso viele Musiker, vorwiegend mit Alten Instrumenten, bewegen sich über knapp zwei Stunden zusammen mit wenigen Requisiten auf einer etwa 10 x 10 Meter großen Bühne mit zwei Spielpodesten, die sich durch einen transparenten Vorhang und raffinierte Lichteinstellungen in die unterschiedlichen sinnlichen Räume der Handlung verwandelt. Die Inszenierung konzentriert sich auf die Emotionen und die zwischenmenschlichen Konflikte der Figuren in der intensiven und intimen Atmosphäre eines Kammertheaters. Die musikalische Einrichtung durch Hans Huyssen verwendet für das Einbrechen göttlicher Mächte in die irdische Sphäre mit elektronischen Mitteln verfremdete Tonbandaufnahmen der Götter Amor, Virtu und Fortuna und auch moderne Instrumente (Sampler, E-Baß). Eine farbenreiche Continuo - Gruppe (2 Cembali, Orgel, Chitarrone, Laute, Violoncello, Gambe, Gitarre, Lyrone) und 2 Geigen (sämtlich historische Instrumente) begleitet den klaren und schnörkellosen Gesang der handelnden Personen.

Deutsche Theatermesse und Dresdner Theaternacht dienten uns nicht nur zur künstlerischen Präsentation unserer Arbeit, sondern auch zur Vorstellung und Vermarktung der "Poppea" als Produktion für Festivals und Gastspiele. Aufgrund mehrerer Einladungen zu Festivals und in Gastspieltheater wurde unserer Inszenierung im Frühjahr 2002 wieder aufgenommen und war im Rahmen einer Deutschlandtournee vom 4. bis zum 27. April zu sehen (siehe Termine). Vier eigenständige Vorstellungen in München konnten mit Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München realisiert werden.

Der überwältigende Erfolg der Tournee beim Publikum und auch bei der Kritik (“glutvolles Theater” - ”außergewöhnlich gelungener Opernabend” - ”Erstaunen und Begeisterung im voll besetzten Haus” - ”Meisterwerk meisterhaft aufgeführt” - ”Gelegenheiten, Musiktheater von derart hoher Qualität zu erleben, sind leider rar geworden” - vgl. ausführlich Kritiken) zeigt uns, dass wir mit unserem Anliegen auf dem richtigen Weg sind. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, auch künftig selten gespielte Werke der barocken und der modernen Opernliteratur von hoher dramatischer Qualität für ein heutiges Publikum neu zu entdecken und mitreißend zu realisieren.