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Kritiken zur Produktion “Poppea”
Kritiken zur Wiederaufnahme und Gastspielreihe Dezember 2004 / Januar 2005
Mindener Tageblatt, 15. Januar 2005:
Dreizehn Spezialisten lassen Claudio Monteverdi aufleben
Bezwingende Regie im Geist der Musik ... die Cosi facciamo“-Produktion (beweist), wie man es als Reiseoper richtig macht. Die wenigen Requisiten gezielt auswählen und auf das
Beziehungsspiel der Personen setzen, kurzum: Regie nicht auf die Funktion des Rampen-Singtheaters reduzieren, sondern mit Hilfe einer auf den Punkt kommenden Szene pralles und quicklebendiges Musiktheater
veranstalten. ... Fesselndes Erlebnis ... Bezwingend, aber unaufdringlich, also ganz im Geist der Musik, die Regie. Da mussten keine Einzelheiten des Textes verstanden werden, um zu begreifen, mit welcher amorösen
Intensität Poppea Nero bestrickt. Es genügten Körperhaltungen: Nero unten, Poppea oben, so zeigt es die Bühne, entsprechend sieht das Machtgefüge im römischen Staat aus... Bestechend die sängerische Klasse der
Darsteller. Dass vitales Musiktheater nicht zuletzt von der fabelhaften sängerischen Realisation lebt, davon erzählte diese Poppea“-Interpretation. Überragend der deklamatorisch einwandfreie und stimmliche sinnliche
Sopran von Stephanie Krug als Poppea, nicht weniger markant und mit hoher vokaler Präsenz Silke Wenzel als Drusilla. Dazu der kraftvolle Altus von Martin Oro als Ottone: kein Countertenor, bei dem man um die Stimme
fürchten muss, sondern einer, dem man seine Männlichkeit abnimmt. Stefanie Früh ist eine sängerisch ausdrucksstark die Verzweiflung vermittelnde Ottavia, Henriette Meyer-Ravenstein ein quirliger Nero. Prägnant auch
Katrin Haube (Arnalta) und Andreas Czerney (Seneca). Hans Huyssen leitete vom Violoncello aus den Abend: mit der Stirn runzelnd, mit den Augen beschwörend, mit den Händen formend. ... am Ende demonstrativer Beifall
für einen nachhaltigen Opernabend im Stadttheater.
Udo Stephan Köhne
Aargauer Zeitung (CH), 14. Dezember 2004:
Liebend gerne eine Wiederbegegnung
... Wort und Musik verschmelzen nicht nur, sondern durchdringen sich gegenseitig. Beides ist somit gleichwertig, aber nicht gleichartig. ... das Münchner Ensemble ... entfaltet eine
betörende, luzide Klanglichkeit, welche die Affekte als “beredt” erscheinen lässt. ... ohnehin schon alle Farbregister ziehend, reichern die Münchner diese noch mit solchen an, die unverkennbar der Gegenwart
entnommen sind: Eine hart skandierende E-Gitarre kontrastiert jenes Scheppernd-Verfremdende, das seinen Ursprung elektronischer Klangverarbeitung verdankt. Eben sie rückt die Szene ins Irrationale, nicht
Wahrhaben-Wollende. ... Damit wird mit dem Minimum eines früher undenkbaren, heuter aber locker eingesetzten Verfremdungseffekt ein Maximum an Wirkung erzielt... gebanntes Publikum ... Sogwirkung einer Musik, die
bei cosi faccimao eine derart akribische Detailarbeit erfährt, dass die Regie gut daran tut, sie nicht mit “Originalität” zu konkurrenzieren... Fazit: eine große Aufführung. Starker Applaus.
Elisabeth Feller
Kritiken zur Wiederaufnahme und Gastspielreihe April 2002
Holsteinischer Courier, 30. April 2002:
Ein außergewöhnlich gelungener Opernabend
... glutvolles Theater ... beeindruckende klangliche Einheit ... Die Monteverdi-Sänger führten ihre Stimmen ... schlank, linear und
“modellierten” die Verzierungen beeindruckend genau. ... präzise und zurückhaltende Inszenierung ... ließ den Emotionen viel Raum... Thomas Cooley sang einen makellosen Nero; sein Tenor hatte Glanz, Kraft und
Ausdruck, seine Darstellung pathologische Züge zwischen Geilheit und Gefährlichkeit. Hervorragend das Duett bei der Schändung der Leiche Seneca... Mit sinnlichem Timbre, schöner, ebenmäßig fließender Sopranstimme
und überzeugendem Spiel war Stephanie Krug für die berechnend-verführerische Poppea prädestiniert... lebhafter, langanhaltender Beifall und Bravorufe für einen außergewöhnlich gut gelungenen Opernabend...
Karin Hartmann
!!Preis: tz-Rose April 2002!!
tz München, 16. April 2002:
[Das Ensemble] überrascht und überrumpelt mit einer heißblütigen, dabei musikwissenschaftlich hieb- und stichfesten Direktheit des Spiels auf
der Bühne wie an den alten Instrumenten, die die Frage “Was hat Oper jungen Leuten noch zu sagen?” einfach wegfegt. ... [es] fesselt mit einer glühenden monteverdischen “Poppea”... von wütender Erotik angetriebenes
Spiel... Erstaunen und Begeisterung im voll besetzten Haus...
Beate Kayser
Mindener Tageblatt, 11. April 2002:
Meisterwerk meisterhaft aufgeführt
...Einfach nur fabelhaft, wie Thomas Cooley und Stephanie Krug die beiden Hauptpartien sangen, sich in der Stilwelt Monteverdis zurecht
fanden, durch vokale Präsenz fesseln konnten.... Die Leistung insgesamt furios ... Kongenial das Spiel der gerade einmal sieben agierenden Instrumentalisten, das jederzeit stimmig ausfiel ....
Monteverdi-Wunder...Gelegenheiten, Musiktheater von derart hoher Qualität ... zu erleben, sind leider rar geworden.
Udo Stephan Köhne
Süddeutsche Zeitung, 13. / 14. April
Ba-Rock Monteverdis “Poppea” kommt in einer spannenden Version ins Metropol-Theater
...historisch geschulte Akkuratesse... musikalisch hochaktueller Ansatz: Monteverdis monodische Erzählstruktur und eine unmittelbare
Emotionalität... lebendiges Spiel, dass mitunter fast naturalistische Züge annimmt... Ebenso wie das starke Sängerensemble überzeugen die Musiker...
Egbert Tholl
Freie Presse Schwarzenberg, 8. April 2002
Sinnlichkeit, Hass und Gier
Kritik mit Foto (im Aufbau)
Münchner Merkur, 6./7. April 2002:
Rote Rosen für eine andere Poppea (im Aufbau)
Ankündigungen zur Wiederaufnahme 2002 (im Aufbau)
Süddeutsche Zeitung Fürstenfeldbruck, 13. April 2002
Süddeutsche Zeitung, 6. April 2002
in münchen, 4. April 2002
ALTE MUSIK AKTUELL, März 2002
CONCERTO-Magazin für Alte Musik, März 2002
Reaktionen zur Premiere der “Poppea” am 24. April 1999 in der Kleinen Szene der Semperoper Dresden
Dresdner Neueste Nachrichten, 27. April 1999
"Poppea" als barocker Krimi
Auf eigenes Risiko, auf eigene Kosten, in eigener Bearbeitung - Schlagwörter für ein Projekt des Ensembles für Alte & Neue Musik "Così facciamo" aus München. Hinter dem
Titel "Poppea 2000" verbirgt sich Claudio Monteverdis letzte Oper "L'Incoronazione di Poppea", aufgeführt wurde sie in der Kleinen Szene. Vorausgeschickt sei: Der Versuch der jungen Künstler, die
fragmentarisch überlieferte, vor mehr als 350 Jahren uraufgeführte Oper wirksam auf die heutige Bühne zu bringen, scheint gelungen: es ist zu wünschen, daß zahlreiche Einladungen der Präsentation auf der
Theatermesse folgen. "Così facciamo" heißt "So machen wir es" - und wie das Ensemble die Barockoper "macht", ist schlüssig durchdacht. Hatte man anfangs das Gefühl, die musikalischen
Möglichkeiten würden hinter den hohen Ambitionen zurückbleiben (Intonationsschwankungen), erwies sich das bald als unbegründet. Ein Krimi nahm seinen Lauf, in dem zeitlose menschliche Dinge (Liebe, Eifersucht,
politische Machenschaften), Mordkomplotte, einen Selbstmörder und zwei Verstoßene zur Folge haben. Monteverdi erzählt die Geschichte um die historische Gestalt des Kaisers Nero in einer hochspannenden Oper, die dem
Zuschauer nicht einmal einen Sympathieträger gönnt, und "Così facciamo" setzt die Vorlage mit radikaler Figurenzeichnung um. Die Inszenierung (Regie/Ausstattung: Rudolf Danker; musikal.
Bearbeitung/Leitung: Hans Huyssen) schließt sich Monteverdis nicht-wertender Haltung an. Durch Verzicht auf gewollt wirkende Modernisierungen und Überzeichnungen bleiben die puren Emotionen - obwohl in heutige
Kleider gehüllt - das A und O. Eine kleine Bühne mit extremer Nähe zum Publikum sorgt für gesteigerten Nervenkitzel, zur effektvollen Lichtregie kommen eindeutige, sparsam eingesetzte Zeichen. Wesentlich für den
Erfolg waren überzeugende schauspielerische Fähigkeiten. Ob der Disput zwischen Nero (Ulrike Becker) und Seneca (Helmut Seidenbusch), Neros martialisches Triumphgebaren nach dem Tod des Philosophen, der Spott
Poppeas (Stephanie Krug) über ihren verstoßenen Gatten Ottone (Markus Forster), oder die Wandlung der Gattin Neros, Ottavia (Roswitha Müller), von der Klagenden zur rachsüchtigen Ränkeschmiedin - überall waren
Differenziertheit und Intensität im Spiel. Auch die nicht eben geringen musikalischen Ansprüche wurden souverän gemeistert. Zur lebendigen und farbenreichen Musizierweise trugen natürlich nicht minder die auf
historischen Instrumenten spielenden Musiker bei. Winzige Abstriche (ein paar Klapperstellen) waren wohl der Trennung in zwei gegenübersitzenden Gruppen anzulasten. Wie in der szenischen Umsetzung so entstand auch
in der musikalischen Bearbeitung nie der Eindruck einer Modernisierung "mit Macht". Die Tonbandaufnahmen für die Götterwelt wie auch die E-Gitarre in wichtigen Szenen sorgten - da schlüssig eingesetzt -
für zusätzliche Spannungselemente und auf interessante Weise verfremdete Klangfarben.
Sophie Gabriel
Prof. Joachim Herz in einem Brief an Regisseur Rudolf Danker vom 27. Mai 1999:
(Auszüge mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Empfängers):
"... Vorbildlich die Diktion der Sänger. Ich habe noch nie eine Aufführung erlebt, wo Monteverdis bühnengemäßer Realismus, sein Abkonterfeien von Charakteren durch ihre
Singweise so deutlich dargeboten worden wäre wie bei Ihnen. ...
Hervorragend fand ich, was in den Soloszenen, besonders zwischen Poppea und Nero, an Aktion stattfand: eminent abwechslungsreich und immer
stimmend zur Musik.
Die Poppea exquisit, sehr erotisch, stets klar ihre Absicht im Visier - überzeugend. Eine Überraschung dann die Nero - Altistin, die trotz ihrer fraulichen Aufmachung der Partie gerecht
wurde. Ebenfalls rundheraus gelungen die Octavia und die Drusilla...
Das Ganze nahm sehr für sich ein in seiner Direktheit, wie ja auch die lebhafte Resonanz des Publikums bewies...
In summa gratuliere
ich Ihnen, Ihrem Vokal- und Instrumentenensemble und dem spiritus rector der Musik!"
Prof. Joachim Herz, Dresden
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