Stand:
7.2.2009
Eike W. Grunert

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Ensemble für Alte & Neue Musik

Grafik: © Hermann Posch. Das Bild zeigt das Cuvilliés-Theater in der Residenz München, © Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

KRITIKEN

L’Orfeo
Favola in Musica
Musik: Claudio Monteverdi / Libretto: Alessandro Striggio (Mantua, 1607)

Die Uraufführung von Monteverdis berühmtem L’Orfeo 1607 in Mantua gilt als die Geburtsstunde der Gattung ‚Oper’ schlechthin. Im Bemühen seiner Zeit um die Wiederbelebung des antiken griechischen Dramas im Geiste der modernen Renaissance vertonte Monteverdi in unnachahmlicher Weise den bekannten Mythos des archetypischen Sängers Orfeus (ital. Orfeo). Orfeus verschafft sich mit seinem betörenden Gesang Eintritt in die Unterwelt, um seine zu Tode gekommenen Braut Eyridike wieder ins Leben zurückzuholen. Er gerät dabei in tödlichen Konflikt mit der göttlichen Weltordnung. Monteverdis L’Orfeo ist ein großartiges Werk über die Macht der Musik, die Liebe und den Tod, aber ebenso über die Bedingungslosigkeit künstlerischen Schaffens und die Ohnmacht des Künstlers in der Welt.

Zum krönenden Abschluss des großen Jubiläums dieser berühmten Oper präsentierten wir eine eigenwillige und unmittelbar aus dem Stoff abgeleitete Lesart dieses ersten wahren Musikdramas: Der Essenz des orfeischen Mythos nachspürend, stand die Musik selbst im Mittelpunkt des Geschehens. Das große und farbenprächtige Orchester auf historischen Instrumenten musizierte daher unverdeckt auf offener Bühne, die Entstehung der Musik war stets sichtbar, die Instrumentalisten als den Sängern ebenbürtige Akteure inszeniert. Auch der Dirigent agierte mitten in der Szene und folgte als zeitgenössisches Alter Ego des Orfeo seinem archetypischen Vorbild über die üblichen Grenzen hinaus in musikalische und szenische Höhen und Tiefen.

Diese Interpretation knüpfte damit auch an (wahrscheinliche) Bedingungen der Uraufführung an. Auch damals gab es keine räumliche Trennung zwischen Orchester und Darstellern im heutigen Sinne, der Orchestergraben wurde erst ca. 30 Jahre später erfunden. Wie bei der Uraufführung übernahmen die meisten Solisten nicht nur jeweils mehrere Partien, sondern auch die Chöre, die damit unmittelbarer Teil der tragenden Handlung wurden

Mit diesem Ansatz, Musik über die Musik zu machen und das Spiel in einem Spiel neu zu spielen, geht es letztlich darum ernst zu machen mit dem orfeischen Ruf seiner Kunst bedingungslos zu folgen, wohin sie einen auch führen mag.

Besetzung:

Musikalische Leitung: Hans Huyssen, Regie: Julia Wahren, Kostüme: Barbara Fumian, Maske: Anneliese Hartmann, Licht: Gerrit Jurda, Regieassistenz: Christian Gnasmüller, Musikdramaturgie: Jörg Them, Produktionsassistenz: Annette Sturm, Technik/Beleuchtung: Uli Eisenhofer, Plakat / Fotos: Hermann Posch, Produktion: Eike Grunert

mit: Mirko Guadagnini (Orfeo), Stephanie Krug (La Musica, Euridice), Martina Koppelstetter (Messagiera, Proserpina), Tobias Pfülb (Caronte, Plutone), Daniel Karrasch (Pastore, Spirito), Jochen Schmidt (Pastore, Spirito), Anne Marie Dragosits (Cembalo, Orgel, Regal), Swantje Hoffmann, Julia Hanke (Violine), Barbara Hofmann (Violone, Gambe), Uwe Grosser (Laute, Chitarrone), Gerhard Schneider (Posaune), Bernhard Rainer (Posaune), Christian Kramer (Posaune), Johannes Giesinger (Posaune, Colascione), Arno Paduch (Zink), Friederike Otto (Zink), Felix Stross (Cello), Reinhild Waldek (Harfe, Gambe, Flöte), Maria Büchl (Flöte)

Die Vorstellungen im Cuvilliés-Theater München am 19. und 20. November 2008 waren eine Veranstaltung der GbR Ensemble cosi facciamo in Zusammenarbeit mit dem Marini Consort Innsbruck, mit Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München.